Geschichten

Luisa Wammes

Raumausstatterin, Tapeziererin

„Mir gefällt die politisch moralische Einstellung meiner Kunden,
die das Wegwerfen nicht unterstützen wollen“
Luisa Wammes arbeitet seit 16 Jahren in ihrer Werkstatt in der Kandlgasse 12 im 7. Wiener Gemeindebezirk.
Damals wohnte sie in der Apollogasse und wollte unbedingt in Gehdistanz zu ihrer Wohnung einen Platz für ihre Werkstatt finden. Das Geschäftslokal, das sie schließlich um die Ecke fand, war eine kleine Ruine, die von KünstlerInnen und ArchitektInnen genutzt wurde. Zuvor hatte sich eine Schneiderei und eine Lederschärferem in dem Gebäude befunden. Zuerst wollte sie nur die Hälfte des Lokals mieten, mittlerweile ist aber bereits die gesamte Werkstatt zu eng und zu klein geworden. Auf keinen Fall würde Luisa Warmes von hier wegziehen.
Der Raum im Erdgeschoß bietet 90 m² Arbeitsfläche, im 3. Stock befinden sich ein Atelier für Näharbeiten und ein zusätzlicher Lagerraum. Zum Glück ist sie noch vor dem Hype um den Bezirk Neubau eingezogen und zahlt daher eine verhältnismäßig günstige Miete.
In der Gegend kennt man sich und hat ein gutes Netzwerk mit KundInnen und ZulieferantInnen aufgebaut. Es gibt in der Umgebung viele Schneiderwerkstätten und TapeziererkollegInnen, die sich gerne gegenseitig unterstützen. Sollte die Auftragslage zu gut sein, kann man Arbeiten an KollegInnen weitergeben. Die Nahversorgung im Bezirk ist derzeit noch ausreichend, allerdings hat sich in den letzten Jahrzehnten die Lage kontinuierlich verschlechtert.
Luisa Wammes war früher Lehrerin. Eines Tages zog sie von Tirol nach Wien und begann bei der Firma Somnifer, die Futons herstellte, als Näherin. Als sie mit der Restaurierung eines Fauteuils beauftragt wurde, war sie so fasziniert, dass sie kündigte und eine Lehre als Tapeziererin begann.
Die Begeisterung für schöne Stoffe und die Qualität der Materialien war für sie – neben der Freude an qualitätsbewusster handwerklicher Arbeit – entscheidend. Damals waren Frauen in diesem Beruf sehr selten, heute ist das Geschlechterverhältnis 50:50. Viele erlernen das Tapezierhandwerk auf dem zweiten Bildungsweg. Derzeit arbeitet Johanna als Tapeziererlehrling in Luisa Wammes Betrieb; sie ist Absolventin einer Modeschule und hat sich wie Luisa Wammes für die Arbeit mit Möbel entschieden.

Victoria Awards

Herstellung von Orden, Abzeichen und Schildern

„Es ist immer noch viel Handarbeit nötig“
Die Firma Victoria Awards nutzt in der Blindengasse 29 im 8. Wiener Gemeindebezirk die ganze Erdgeschoßzone. Straßenseitig befinden sich zwei Geschäftslokale, die mit mehreren Werkstatt und Lagerräumen im Hinterhof verbunden sind. Das heutige Unternehmen wurde durch die Übernahme mehrerer alter Traditionsbetriebe wie der k. u. k. Hof-, Knopf- & Metallwarenfabrik der Brüder Schneider und der Firma Belade Abzeichenfabrik sowie der Firma Orth Metallwarenfabrik weiterentwickelt. Die derzeit bestehende Firma mit zirka zwanzig MitarbeiterInnen ist die Nachfolgerin von fünf Vorgängerbetrieben. Der Geschäftsführer Georg Huber ist an Vernetzung im Bezirk sehr interessiert; er trifft sich regelmäßig mit Geschäftsleuten aus der Umgebung zum Mittagessen und tauscht sich mit engagierten UnternehmerInnen aus. Jedes Jahr im September wird die Nachbarschaft zu einem Hoffest eingeladen.

Victoria Awards ist einer der größten Award-Hersteller europaweit. Mehr als 1500 Orden aus Messing, Kupfer oder Edelmetallen werden pro Jahr in den Werkstätten im Hinterhof produziert. Pokale, Abzeichen, Pins, Wandernadeln, Sportmedaillen, Orden und Spezialanfertigungen können hier bestellt werden. „Die Verleihung von Orden ist noch immer en vogue“, erzählt Georg Huber, „Vereine nutzen sie, um sich bei ihren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu bedanken“. Großkunden aus dem In- und Ausland bestellen ihre Verdienstorden und Abzeichen bei Victoria Awards. Auch die Republik Österreich lässt ihre Ehrenkreuze und Abzeichen im 8. Bezirk anfertigen.
Beim Herstellungsprozess der Medaillen und Orden ist immer noch viel Handarbeit nötig. Ausgangsmaterial sind passende Stücke von Blechtafeln, die auf einen Prägestock aus Stahl gelegt werden, der fest in einer hydraulischen Presse montiert ist. Als Oberteil dient ein weiterer Prägestock, in dem die Form des zu prägenden Motivs, z.B eines Adlers, negativ eingraviert wird. Senkt sich nun der obere Prägestock auf den unteren, dringt das formbare Material in die Vertiefungen der Negativform ein. Der so entstandene Rohling wird mittels einer Presse in der richtigen Grundform ausgestanzt. Dann werden mit Hilfe einer Laubsäge die Details ausgeschnitten. Im Anschluss erfolgt mit dem Emaillieren jener Schritt, der äußerste Präzision erfordert. In die Vertiefungen wird das Email mittels Pinsel oder Spachtel aufgetragen. Email ist geschmolzenes Glas, das gemahlen und pulverisiert wird.